Im Rahmen des Forschungsprojekts ConnectedRide arbeitet BMW schon seit einigen Jahrn an einer Reihe von Assistenz.- Systemen, die die Sicherheit beim Motorrad fahren verbessern sollen. Diese Systeme wirken teilweise in Zusammenarbeit mit den Systemen, die in den Fahrzeuge anderer Verkehrsteilnehmer eingebaut sind, teilweise als eigenständige Lösung.
Der Querverkehrsassistent analysiert auf die Kreuzung zu fahrende Verkehrsteilnehmer, die geltende Vorfahrtsituation sowie die Kollisionswahrscheinlichkeit und beurteilt das Verhalten wartepflichtiger PKW-Fahrer. Durch eine Anzeige im Cockpit wird der PKW-Fahrer über die Verkehrs-regelung – etwa bei einer potenziellen Missachtung der Vorfahrt – informiert. Reagiert er nicht angemessen, wird er in Stufen optisch, haptisch und akustisch vor der Kollisionsgefahr gewarnt. Am Motorrad werden bei zunehmender Kollisionsgefahr schrittweise das Fahrlicht moduliert, die Fahrlicht-intensität erhöht und die zusätzlichen LEDs in den Spiegeln und Blinkern an der Fahrzeugseite aktiviert, um die Silhouette zu verbreitern und damit die Wahrnehmbarkeit zu erhöhen. Bei akuter Kollisionsgefahr ertönt automatisch die Hupe des Motorrades.
Beim Ampelphasenassistenten kommuniziert die Lichtsignalanlage mit dem Motorrad. Sollte sich die Ampel bei unveränderter Fahrgeschwindigkeit des Motorrads mit Erreichen der Kreuzung bereits in der Rotphase befinden, würde der Fahrer diese Information über die Instrumentenkombination früh genug erhalten, um sanft abbremsen zu können. Der Assistent kann ihm außerdem die Geschwindigkeit anzeigen, bei der er die Kreuzung beispielsweise zur Grünphase erreicht.
Bei der Schlechtwetterwarnung wird der Motorradfahrer durch einen optischen Hinweis in der Instrumentenkombination – optional auch mit einer Sprachansage durch das BMW Motorrad Kommunikationssystem – früh-zeitig auf einen Streckenabschnitt mit widrigen Bedingungen wie Nebel, Regen, Schnee oder Glatteis hingewiesen. Der Assistent gibt darüber hinaus an, nach welcher Distanz mit dem Streckenabschnitt zu rechnen ist. Als Auslösealgorithmus denken die Forscher beispielsweise an eine bestimmte Anzahl von Fahrzeugen, die Nebelscheinwerfer oder Scheibenwischer einschalten. Gekoppelt mit der Außentemperatur, die um die betroffenen Fahrzeuge herrscht, kann diese Information genutzt werden, um auf Schnee oder Hagel zu schließen. Als weitere Informationsquellen kommen Regensensoren, Eingriffe von Regelsystemen wie DSC (Dynamic Stability Control) oder eingeschaltete Nebelschlussleuchten in Betracht.
Die Hinderniswarnung signalisiert dem Motorradfahrer ebenfalls durch einen optischen Hinweis in der Instrumentenkombination – optional mit einer Sprachansage –, wenn er mit einem Hindernis wie Öl, Rollsplit oder einem liegen gebliebenen Fahrzeug auf seiner Fahrbahn rechnen muss. Die Warnung ist mit einer Angabe gekoppelt, wie weit das Hindernis noch entfernt ist. Der Warnhinweis und die Position der Gefahrenstelle könnten von dem oder den vorausfahrenden Fahrzeugen an die nachfolgenden Fahrzeuge gesendet werden.
Bei der Einsatzfahrzeugwarnung handelt es sich um eine optische Anzeige in der Instrumentenkombination, mit der der Fahrer frühzeitig auf ein sich näherndes Einsatzfahrzeug aufmerksam gemacht wird. Ein eindeutiges Symbol sowie eine Sprachansage warnen den Fahrer, verbunden mit der Angabe des Abstands.
Dem elektronischen Bremslicht liegt der Gedanke zugrunde, dass im Kolonnenverkehr die Bremslichter eines stark bremsenden Fahrzeugs von Folgefahrzeugen möglicherweise verdeckt werden. Dadurch entstehen Reaktionsverzögerungen, die zu Auffahrunfällen führen können. Um den nachfolgenden Verkehr möglichst frühzeitig über die Bremsung zu informieren, wird dieser Hinweis vom elektronischen Bremslicht per Fahrzeug-zu-Fahrzeug-Kommunikation an die anderen Verkehrsteilnehmer übertragen. Diese erhalten die Information über ihre Instrumentenkombination sowie die Kommunikationsanlage.
Der Linksabbiegeassistent berücksichtigt das besondere Gefahrenpotenzial dieser Verkehrssituation für Motorradfahrer. Durch zusätzliche LEDs in den Rückspiegel-Gehäusen sowie automatisch aufblendendes Fernlicht macht das Motorrad den linksabbiegenden Verkehr auf sich aufmerksam. Die Berechnung des Kollisionsrisikos basiert auf per Fahrzeug-zu-Fahrzeug-Kommunikation übertragenen Daten. Sollte eine akute Kollisionsgefahr bestehen, so verhindert ein zeitgleich beim PKW erfolgender automatischer Bremseingriff das Linksabbiegen.
Der Überholassistent macht das Überholmanöver des Motorrads für andere Verkehrsteilnehmer besser erkennbar. Durch die Sensorik, die bereits für das Race ABS und die DTC im Serieneinsatz ist, kann ein Überhol-manöver des Motorrads erkannt werden. Wenn das vorausfahrende Fahrzeug gleichzeitig mit dem Motorrad zum Überholen ansetzt und ausschert, weil der Motorradfahrer übersehen oder dessen Geschwindigkeit falsch eingeschätzt wurde, ist der Zweiradfahrer in Gefahr. Durch zusätzliche LEDs im Blinker wird dessen Signalwirkung verstärkt, so dass das Motorrad im peripheren Sichtfeld besser wahrzunehmen ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass der PKW-Fahrer das Zweirad bemerkt, bevor es im toten Winkel verschwindet, wird dadurch deutlich erhöht.