Dakar 2011: erster Etappensieg für Paulo Goncalves auf BMW

07.01.2011 | Beitrag von Redaktion   

Der erste richtige Wüstentag bei der Rallye Dakar 2011 war dramatisch, aufregend und herausfordernd. Mit dem Tagessieg holte sich der Portugiese Paulo Goncalves nicht nur seinen ersten Etappensieg bei der Dakar überhaupt, er verhalf damit auch BMW zum ersten Triumph seit 10 Jahren.

Eigentlich sollte es der Tag des Francisco Lopez werden. Der Chilene trat an, um mit seiner Aprilia auf heimatlichem Boden den Sieg zu holen, auf einer Strecke, die so richtig nach seinem Geschmack ist: steile Passabfahrten, steinige und felsige Pisten und mächtige Dünen auf dem Abschnitt entlang dem Pazifik und eine Abfahrt zum Ziel in Iquique mit 32% Gefälle.

Zunächst verlief auch alles wie geplant. Lopez legte auf der 423 Kilometer langen Wertungsetappe eine fehlerfreie Fahrt hin, die Zwischenzeiten zeigten über fast die gesamte Strecke hinweg ein Duell zwischen ihm und dem Belgier Frans Verhoeven. Zu Beginn lag Verhoeven mit seiner BMW vorne, doch Lopez kam immer näher heran und im Ziel hatte er es geschafft: der Chilene lag eine (!) ganze Sekunde vor Verhoeven, der 2 km vor dem Ziel nach einem Sprung über eine Düne gestürzt war, und der Tagessieg schien tatsächlich Wirklichkeit.

Dann aber kam Paulo Goncalves: der Portugiese hatte zu Beginn ebenfalls ganz vorne dabei  gelegen, bei einem Stop bei km 218 allerdings einige Minuten Zeit verloren. Dort war der bis dahin schnellste Mann im Feld, der Franzose Olivier Pain, schwer gestürzt. Marc Coma kam an der Unfallstelle vorbei und unterbrach seinen Lauf, der wenig später ankommende Goncalves hielt ebenfalls an um Hilfe zu leisten.

Pain hatte sich bei dem Sturz das Handgelenk gebrochen und war bewusstlos. Er wurde mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen. Für den bis dahin bestplatzierten Yamaha-Piloten ist die Dakar damit zwar vorbei, aber zum Glück ist ihm, abgesehen vom Handgelenk, ansonsten nichts weiter passiert.

Paulo Goncalves setzten das Rennen fort und drehte kurz vor dem Etappenziel sogar noch eine kleine Sonderrunde durch die Dünen, um ganz sicher zu gehen, dass er keinen Wegpunkt versäumt hatte (das hatte übrigens auch schon Frans Verhoeven gemacht) und kam mit rund 5 Minuten Rückstand hinter Lopez ins Ziel.

Aus den GPS-Daten wurden nach der Zieldurchfahrt die Standzeit bei der Unfallstelle ermittelt und gemäß Reglement gut geschrieben (nach diesem Reglement sich nachfolgende Fahrer verpflichtet bei einer Unfallstelle anzuhalten). Die Standzeit wurde angezogen und das machte Paulo Goncalves zum Tagessieger, der erste für den Portugiesen überhaupt und der erste für BMW nach Richard Sainct im Jahr 2000.

Goncalves: “Eine sehr schwere Etappe, sehr lang, aber auch sehr schön. Ich glaube, ich bin gut gefahren. Nach dem Benzin-CP habe ich angehalten,um Olivier Pain zu Hilfe zu kommen, der gestürzt war. Die Regel sagt, dass man stoppen muss. Ich bin 4 bis 5 Minuten geblieben. Das Wichtigste ist, dass es ihm gut geht. Man wird mir sicherlich Zeit abziehen. Das Motorrad hat sich sehr gut verhalten, auf dem schnellen wie auch auf dem technischeren Teil.”

Die KTMs mit Schwierigkeiten

Marc Coma hatte keinen leichten Tag. Zuerst stürzte er er zu Beginn der Etappe und musste ein paar kleine Reparaturen an seiner Maschine selbts vornehmen. Dann folgte die Unterbrechung bei der Unfallstelle und am Ende kam der Spanier mit erheblichem Rückstand ins Ziel. So viel, dass er sogar seine Gesamtführung an Francisco Lopez verloren hatte. Doch auch für Coma galt die selbe Regelung wie für Goncalves und die Stehzeit wurde im wieder abgezogen. Mit rund 4 Minuten Rückstand in der Etappe konnte er damit seine Gesamtführung verteidigen.

Coma: “Ein schwieriger Tag. Ich bin gestürzt und hatte danach Probleme mit dem Kühler. Ich habe das reparieren und dann mehr oder weniger normal weiterfahren können. Nach dem Tanken habe ich bei Olivier Pain angehalten, der gestürzt war. Er war bewusstlos. Ich habe sofort Alarm gegeben und bin bei ihm geblieben, bis mein Wasserträger Joan Pedrero angekommen ist. Das war eine echte Dakar-Etappe, bei der viele Dinge passiert sind. Ich habe Zeit auf Despres verloren, werde aber ein wenig davon wegen des Stopps für Pain zurückbekommen”

Cyril Despres hatte er vor dem Start der Etappe von seiner Zeitstrafe erfahren. 10 Minuten hatte er auf der 4. Etappe aufgebrummt bekommen, weil er beim Start seine Thermohandschuhe vergessen hatte und beim Rückweg zu seinem Quartier einen falschen Weg genommen hatte.

Despres: “Man hat mir um 4.30 Uhr morgens mitgeteilt, dass ich eine Zeitstrafe bekommen habe. Ich hatte bloß meine Handschuhe gegen die Kälte vergessen und bin zurückgegangen, um sie zu holen, und habe nicht gesehen, dass am Ausgang Tafeln zu beachten waren. So ist leider das Rennen. Aber nach dem , was wir heute erlebt haben, habe ich das andere schon wieder vergessen. Deswegen fahre ich Rallye-raid: 425 km Navigation und Spaß. Wir haben GPS-Punkte suchen müssen, die wirklich wie Nadeln im Heuhaufen waren. Ganz zu schweigen von Zeiten oder Strafen. Das Wichtigste für mich ist, gute Gefühle gesammelt und mir selbst Freude bereitet zu haben. Ich habe gesehen, dass Marc Coma bei km 70 mechanische Probleme zu haben schien. Ich habe mich nie über Probleme von anderen gefreut. Für mich ist mein Rennen wichtig.”

Ergebnisse der 5. Etappe im Detail »

Video: Zusammenfassung der 5. Etappe

Fotos: speedbrain, KTM




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