Nach der Einfahrt im Ziel der 4. Etappe hatte Marc Coma 16 Sekunden Vorsprung auf Cyril Despres heraus geholt und damit den Franzosen in der Gesamtwertung um 2 Sekunden überholt. Am grünen Tisch wurden aus den 16 Sekunden dann noch mehr als 10 Minuten, nachdem Despres eine Zeitstrafe aufgebrummt wurde.
Die Strecke der 4. Etappe der Dakar 2011 führte hinauf bis auf eine Seehöhe von 4.800 Metern, die Temperaturen fielen hinunter bis zum Gefrierpunkt. Auf dem Programm stand zuerst über die Andenüberquerung und dann in die Atacama-Wüste. Ingesamt waren 761 Kilometer zu bewältigen, auf 207 Kilometern wurde die Zeit gemessen. Die Veranstalter hatten vorgesorgt und entlang der Strecke 30 Fahrzeuge platziert um TeilnehmerInnen, denen die Höhe nicht bekommen sollte, sofort ärztlich versorgen zu können.
Gleich vom Start der Wertung in 3.300 Metern Höhe weg machte der als erster gestartete Marc Coma Tempo. Nach knapp 80 Kilometern betrug sein Vorsprung auf Despres 32 Sekunden, doch danach gab der Franzose Gas und kam bis auf 16 Sekunden heran. Das ergab zu diesem Zeitpunkt eine Zeitdifferenz von 2 Sekunden in der Gesamtwertung. Das Duell der beiden KTM-Piloten beginnt langsam aber sicher alles andere zu überschatten, zu eindeutig ist im Moment ihre Überlegenheit. Daran ändert auch nichts die Zeitstrafe von 10 Minuten, die Cyril Despres nachträglich verdauen musste.
Für den Gesamtführenden Marc Coma ist der aktuelle Stand aber nur eine Momentaufnahme: „Das war für mich ein äußerst wichtiger Tag, auch wenn die Strecke nur 207 Kilometer lang war. Die Piste zu ziehen, war keine leichte Angelegenheit. Ich bin zufrieden und hatte ein ausgezeichnetes Feeling. Wollen wir hoffen, dass es bis zum Schluss so weitergeht. Die Gesamtwertung ist jetzt nur eine Momentaufnahme. Auf den letzten Tag kommt es an. Man muss den richtigen Rhythmus finden, keine Fehler begehen. Jetzt warten zwei sehr schwierige Etappen auf uns.”
Aprilia
Für den Chilenen Francisco Lopez war es eine Frage der Ehre, auf der ersten Etappe, die in sein Heimtaland führte, einen Spitzenplatz zu holen. Erstmals zeigte er mit seiner Aprilia eine wirklich starke Leistung und konnte als einziger annähernd mit dem Führungsduo mithalten. Für einen Tagessieg reichte es nicht, doch mit einem Rückstand von knapp 2 Minuten wurde es Platz 3 – nach der Strafe von Despres dann sogar noch Platz 2.
Für Lopez beginnt die Dakar 2011 jetzt erst so richtig: „Das war ein rasanter Tag, der für mich mit einem dritten Platz endet. Ich fühle mich viel wohler in Chile, auch wenn es morgen noch schwieriger wird. Cyril und Marc legen ein Wahnsinnstempo vor. Momentan kann ich ihnen nicht folgen. Ich bevorzuge Etappen mit mehr Off-Track. Heute war aber ein positiver Tag. Ich werde versuchen, Zeit auf Coma und Despres gutzumachen, was aber nicht leicht wird. Beide haben ein sehr leistungsstarkes Motorrad, und zudem sidn sie großartige Piloten. Aber die Rallye ist noch lang.”
Yamaha
Olivier Pain war erneut extrem schnell unterwegs. Auf der Strecke mit rund 6 Minuten Rückstand auf Platz 4 der Tageswertung, fasste aber auch der Franzose eine Strafe aus. Nachträglich 12 Minuten für die 2. Etappe zusätzlich auf dem Zeitkonto bedeuten für ihn den Rückfall von Platz 4 auf Platz 12 in der Gesamtwertung.
speedbrain BMW
Paulo Goncalves, der bislang bestplatzierte speedbrain Pilot, verlor durch einen Navigationsfehler rund 15 Minuten auf die beiden Führenden Depres und Coma und kam erst als 19. der Tageswertung ins Ziel. Trotzdem verteidigte er in der Gesamtwertung seinen vierten Platz. Eine ganze Reihe von Toppiloten hatte mit Navigationsproblemen zu kämpfen. Auch Ze Helio verfuhr sich in der Wüste und verlor Zeit. Er rangiert jetzt auf Rang 8 im Gesamtklassement. Bemerkenswert: Zwischen dem dritten Podiumsplatz und dem Gesamtzehnten liegen gerade einmal zehn Minuten.
Bester speedbrain Fahrer war an diesem Tag Frans Verhoeven, der mit einer lupenreinen Navigationsleistung und einem fehlerfreien Ritt auf Rang neun vorfuhr, obwohl er erst als 16. ins Rennen gegangen war. Dadurch erhält er jetzt wieder eine bessere Ausgangsposition für die morgige Wüstenetappe. Die Atacama hält 423 Sonderprüfungskilometer mit Dünen, Sand, Bergen und Steinen parat.
Frans Verhoeven: „Anfangs hatte ich heute mit dem Staub zu kämpfen und hielt mich zunächst zurück. Da sich eine ganze Reihe von Fahrern verfuhren, ich aber nicht, konnte ich heute profitieren. Natürlich hoffe ich, mich durch die jetzt wieder bessere Startposition weiter zu verbessern. Das Rennen ist noch lang. Ich werde alles versuchen, wieder weiter nach vorne zu kommen.“
Ergebnisse der 4. Etappe im Detail »
Fotos: KTM, speedbrain
Dakar 2011: Coma holt 2. Tagessieg in Folge (mit Video)