Im Warm-Up stürzte, bei noch recht schlechten Streckenbedingungen, mehr als die Hälfte der Fahrer. Beim Start gab es auf der Strecke noch immer einige nasse Flecken. Das sorgte im Verlauf des Rennens für jede Menge Schlenkerer, Rutscher und Stürze.
Nachdem das Qualifying am Samstag wegen des schlechten Wetters abgesagt werden musste, steht Gabor Talsmasci auf der Poleposition – er hatte im freien Training eine kurze Phase der Wetterbesserung genützt und die schnellste Zeit gefahren. Kenan Sofuoglu, Julian Simon und Toni Elias komplettieren die erste Startreihe.
Vom Start weg setzen sich Talmasci, Yonny Hernandez und Sofuoglu ab. Diese Gruppe bleibt aber nicht lange beeinander. Kurios ist vorerst einmal die Fahrt des Supersport-Weltmeisters Kenan Sofuoglu: er hämmert bei Topspeed wild auf seinen Lenker ein, offensichtlich wurde man mit den Reparaturen nach seinem Warm-Up-Sturz nicht ganz fertig und der Türke muss nun den Rest bei voller Fahrt fertig stellen. Dabei hämmert er seine Maschine aber auch an die Spitze des Feldes.
Hernandez wird eines der Opfer der teilweise feuchten Piste und Talmasci verliert den Anschluss. Von hinten rauschen Stefan Bradl und Alex Badolini heran und überholen den Ungarn in der 11. Runde. Sofuoglu hat jetzt mehr als 7 Sekunden Vorsprung auf seine Verfolger. Doch Bradl holt, mit Alex Badolini im Schlepptau, in Riesenschritten auf. Immer kleiner wird der Vorsprung und Sofuoglu beginnt wieder auf seine Maschine einzuschlagen.
Anscheinend ist er diesmal nicht sehr erfolgreich bei der Onboard-Reparatur, denn in der 19. Runde muss er die Führung abgeben. Bradl und Badolini kommen vorbei, dann verliert er auch noch ein paar weitere Plätze, es sieht fast so aus, als ob seine Maschine endgültig den Geist aufgeben will.
Ebenfalls in der 19. Runde endet die Aufholjagd von Andrea Inannone. Der Italiener musste sich mit Startplatz 34 abfinden, aber im Rennen pflügte er nur so durchs Feld. In der 19. Runde liegt er schon auf Platz 4 und macht sich mit einer schnellsten Runde daran, auch noch die Top 3 anzugreifen. Doch nun ist er einfach zu schnell und rutscht von der Strecke.Inannone fährt zwar weiter, aber mit Platz 21 holt er am Ende keine WM-Punkte.
Bradl und Badolini liefern einander bis zur Zieldurchfahrt ein spannendes Duell, das der Deutsche mit 68 Tausendstel Vorsprung für sich entscheidet. Für Bradl ist es der dritte Grand Prix-Sieg, nach 2 125er-Triumphen holt er heute seinen ersten Moto2-Sieg.
Um Platz 3 geht es ebenfalls bis zum Ende wild und hitzig zu. 10 Fahrer in einer Gruppe und jeder will ganz vorne sein. Sofuoglu kann seine Maschine wieder richtig in Gang bringen und ist in der vorletzten Runde auf einmal wieder auf Platz 3. Daneben und dahinter wird gerempelt, gedrückt und überholt. Am Ende ist Alex de Angelis mit Minimal-Abstand der dritte Mann auf dem Podium.
Für Michael Ranseder endet das Rennen schon nach wenigen Runden in der Box, nachdem er zuvor mit einer angeschlagenen Maschine schon ganz ans Ende zurück gefallen war. Unter den Sturzopfern ist u.a. auch Toni Elias.
Die Entscheidung um Platz 2 in der WM wird auf Valencia vertagt. Julian Simon startet zwar von Platz 2 aus, aber er kann aus dem Umfaller von Andrea Inannone nicht profitieren. Nach einem unauffälligen Rennen holt er auf Rang 12 nur 4 Punkte für die WM. Vor Valencia trennen die beiden jetzt nur 6 Punkte.
Insgesamt ein äußerst unterhaltsames und spannendes Rennen!
Erster Moto2-Sieg für Stefan Bradl in Estoril