Die Geschichte der GS (7/9): die R 1200 GS

10.08.2010 | Beitrag von Redaktion   

Im Sommer 2004 präsentierte BMW mit der R 1200 GS die nächste Auflage des Enduro-Klassikers. Statt die R 1150 GS modellzupflegen, war mit der R 1200 GS ein neues Motorrad geschaffen worden, das alle Vorteile der Vorgängermodelle bewahrte, aber ungleich dynamischer antrat.

Eindrucksvoller als der abermalige Nachschlag an Hubraum (nun 1170 cm³), Drehmoment (erstaunliche 115 Nm bei 5.500/min) und Leistung (98 PS bei 7.000/min) waren die erzielten Reduktionen: Der Kraftstoffverbrauch war um 8 % gesunken und, was noch wichtiger war, die BMW R 1200 GS hatte gegenüber dem Vorgänger fast 30 Kilogramm abgespeckt. Mit einem Trockengewicht von 200 Kilogramm setzte die BMW R 1200 GS einen neuen Maßstab bei den großen Reiseenduros. Fast jedes Bauteil der BMW wurde leichter ausgeführt, um diese Reduktion zu erreichen. So hatten gleichermaßen die Schwinge, der Rahmen, die Räder und der Kabelbaum – dank CAN-BUS-Technologie – Gewicht verloren.

Selbst das stärkere Triebwerk zeigtesich drei Kilo leichter, obwohl eine zur Kurbelwelle gegenläufige Nebenwelle mit Gewichten als Ausgleichwelle eingebaut war, um die legendäre BMW Laufkultur auch bei den großen Zylinderhubräumen zu gewährleisten.

Innovativ war auch die Elektronik: Durch den vereinfachten Kabelbaum strömten CAN-BUS-Signale, ein serienmäßiger Info-Flatscreen informierte den Fahrer über Tankinhalt, Öltemperatur, Uhrzeit und andere Fakten und eine erstmalig vollsequentielle Einspritzung mit einer Kennfeldzündung ließ die BMW R1200 GS schneller und sparsamer als ihre Vorgänger sein.

Praktisch für Fernreisende erwies sich die Klopfregelung – im Bedarfsfall mit unterschiedlichen Zündzeitpunkten für alle vier Kerzen. Damit konnten auch minderwertige Kraftstoffe getankt werden, ohne dass der Motor Schaden nahm -perfekt für Reisen abseits gut ausgebauter Tankstellennetze.

Neu war auch das erstmals komplett schrägverzahnte, und daher leise laufende, Getriebe. Jenes hatte nun noch längere Wartungsintervalle. Ergänzt wurde das positive Bild durch den neuen, leichteren Hinterachsantrieb mit Lebensdauerfüllung und die serienmäßigen Stahlflexbremsleitungen.

Der Vorderrahmen bestand bei der 1200er nicht mehr aus Aluguss, sondern aus einer verschweißten Stahlkonstruktion, was gerade im Geländebetrieb mehr Robustheit versprach. Das Design war ebenfalls verschlankt worden, so dass die Diät der großen GS nicht nur beim Fahren, sondern auch im Stand zu spüren war. Die Kreuzspeichenräder waren zur Option geworden, leichtere Gussräder nun Standard. Wer das abschaltbare ABS mitbestellte, erhielt eine teilintegrale Version, bei der der Handhebel das Hinterrad mitverzögerte und ein Bremskraftverstärker das System unterstützte.

All diese Verbesserungen wurden ein gutes Jahr später auch an der BMW R 1200 GS Adventure realisiert, die die BMW R 1150 Adventure ablöste. Der Erfolg konnte nicht ausbleiben: Seit 2005 ist die R 1200 GS  unangefochten die Nummer 1 auf dem deutschen Markt. Und weltweit finden sich immer mehr Freunde des Allrounders. Bereits nach drei Jahren waren über 100.000 Exemplare der beiden großen BMW Enduros produziert.

Modellpflege 2007

2007, drei Jahre nach Vorstellung der BMW R 1200 GS, wurden im Rahmen der Modellpflege zahlreiche Detailverbesserungen umgesetzt. Noch ein wenig agiler wurde die große GS durch das sportlicher gestufte Sechsganggetriebe, das dem Straßensportboxer HP2 Sport entstammt. Kolben und die Nockenwelle teilt sich die GS nun mit R 1200 R und RT, was die Motorleistung auf 105 PS bei 7.500/min anhob.

Der ohnehin schon gute Sitzkomfort verbessert sich durch ein etwas üppigeres Polster der Bank im Frontbereich. Variabler und komfortabler präsentiert sich der nun aus Leichtmetall konifiziert gefertigte Lenker. Neu entwickelte Klemmböcke gestatten eine bessere Anpassung des Lenkers an die Körpermaße des Piloten unter unterschiedlichsten Einsatzbedingungen im Gelände und auf der Straße.

Optisches Erkennungsmerkmal der überarbeitetenBMW R 1200 GS sind die markanten Leichtmetallblenden am Tank sowie das ausfallsichere Diodenrücklicht, die der funktionalen Maschine technoiden Charme verleihen. Eine weitere Innovation, die BMWs hohen Anspruch an nutzerorientierter Technik zeigte, ist das seit 2008 lieferbare Enduro-ESA. Das ESA (Electronic Suspension Adjustment) erlaubt es während der Fahrt die Zugstufe der Stoßdämpfer samt der Federvorspannung vom Lenker über Stellmotoren zu verändern.

Diese nutzerfreundliche Innovation erlaubt eine Adaption der Federelemente an unterschiedliche Straßen- und Beladungszustände respektive persönliche Präferenzen von Fahrer und Beifahrer. Somit passt das von den Sportmaschinen der Marke übernommene und verfeinerte Enduro-ESA zum Anspruch der GS, eben jedem Anspruch bestens gerecht werden zu können.

Abermals modernisiert: Die GS im dreißigsten Jahr

Zum 30. Jubiläum erhielt das immergrüne Boxertriebwerk einen noch sportlicheren Charakter, in dem die GS-Baureihe im Jahr 2010 die hochwertigen, mit jeweils zwei oben liegenden Nockenwellen ausgestatteten Zylinderköpfe der rasanten HP2 Sport erbte. Höhere Drehzahlfestigkeit, bessere Zylinderfüllung und günstigere Brennraumgestaltung sind das Ergebnis der nun radialen Ventilanordnung.

Eine ausschließliche Erhöhung der Spitzenleistung wäre nicht im Sinne der Vielseitigkeit gewesen, die auch die jüngsten Boxer- Triebwerke auszeichnet. Daher fiel die Leistungssteigerung auf nun 110 PS bei 7.750/min moderat aus. Wichtiger war der abermalige Anstieg des über einen weiten Bereich verfügbaren Drehmoments. Die höhere Verdichtung beschert der GS eine vorbildliche Kraftstoffausnutzung und ist dank der hochmodernen Brennraumgestaltung und der Klopfregelung für die zentral angeordneten Zündkerzen kein Hemmschuh auf Fernreisen in Länder mit schwankender Kraftstoff-Qualität.

Zur Anpassung an die radiale Ventilkonfiguration sind die Nocken der Nockenwellen konisch geschliffen. Für bessere Füllung wuchsen die Ventildurchmesser und der Durchmesser der Drosselklappenstutzen. Ein Luftfilter mit höherem Luftdurchsatz ergänzt das leistungsfreudige Gesamtbild.

Entsprechend den hiesigen Versicherungsklassen gibt es alternativ für den deutschen Markt eine 98 PS leistende Variante der 2010er GS. Das modifizierte Triebwerk lässt sich durch die neu gestalteten Ventildeckel auf den ersten Blick vom Vorgänger unterscheiden. Die „GS“ mitsamt dem Schwestermodell Adventure ist seit Jahren nicht nur die beliebteste BMW, sondern in vielen Ländern das meistverkaufte Motorrad überhaupt. Offensichtlich hatten bereits 1980 die Väter der R 80 G/S das richtige Gespür, als sie gegen den Trend zur Spezialisierung ein robustes, tourentaugliches Universalmotorrad schufen. In den drei Jahrzehnten seit der Präsentation der  „Ur-G/S“ haben die großen Reiseenduros einen stolzen Marktanteil erobert.

Teil 8 erscheint am 12.8.2010: die HP2

Quelle: BMW




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