In einer aktuellen Studie werden die EU-Mitgliedsstaaten hinsichtlich der häufigsten Todesursachen im Straßenverkehr verglichen. Österreich liegt im Mittelfeld.
Überhöhte Geschwindigkeit, Alkohol am Steuer und fehlender Sicherheitsgurt sind nach wie vor die häufigsten Todesursachen im Straßenverkehr – so die Ergebnisse einer aktuellen europaweiten Studie des European Transport Safety Council (ETSC). Schon eine Senkung der Durchschnittsgeschwindigkeit auf Europas Straßen um nur ein Kilometer pro Stunde, könnte jährlich mehr als 2.200 Getötete verhindern. Weitere 3.500 Menschen wären noch am Leben, hätten sie sich nicht alkoholisiert hinters Steuer gesetzt und damit sich und andere gefährdet. Angelegte Sicherheitsgurte könnten jedes Jahr europaweit 2.500 Menschenleben retten. Diese Ergebnisse haben auch unmittelbare Auswirkungen auf das vierte Verkehrssicherheitsaktionsprogramm, das derzeit in der Europäischen Kommission erarbeitet wird.
Europas Todesursache Nummer 1: Überhöhte Geschwindigkeit
Ungefähr ein Drittel aller tödlichen Unfälle innerhalb der EU ist auf nicht angepasste oder überhöhte Geschwindigkeit zurückzuführen. Vor allem auf Landstraßen und im innerstädtischen Bereich ist die Bereitschaft, sich an Tempo-Limits zu halten, europaweit gering. Die meisten Schnellfahrer auf Freilandstraßen gibt es in Dänemark und Polen: Mehr als 70 Prozent der Autofahrer überschreiten dort das Limit. Die höchste Bereitschaft, Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Freilandstraßen einzuhalten, besteht hingegen in Tschechien, Österreich, Frankreich und der Schweiz: Der Prozentsatz der Autofahrer, die schneller als erlaubt unterwegs sind, ist jeweils geringer als 30 Prozent.
Im innerstädtischen Bereich sind die Tschechen die Vorreiter: 80 Prozent der Autofahrer beachten die Geschwindigkeitslimits. Schlusslicht sind hingegen die polnischen Autofahrer: Hier beachten nur 20 Prozent die vorgegebenen Temporegeln. Österreich liegt dabei eher im unteren Feld: 70 Prozent der Pkw-Lenker überschreiten die Höchstgeschwindigkeit in Tempo-30-Zonen, 51 Prozent fahren im Ortsgebiet schneller als 50 km/h.
„Maßnahmen, die grundsätzlich zu einer Verbesserung bei der Einhaltung der Tempo-Limits geführt haben, sind Radarboxen und Section Control. Vor allem in Frankreich konnte eine
deutliche Reduktion der Geschwindigkeitsübertretungen aufgrund flächendeckender Ausstattung mit Überwachungskameras erreicht werden“, sagt Othmar Thann, Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV). So konnte zwischen 2001 und 2009 in Frankreich mit der Einführung automatischer Videoüberwachungssysteme auf allen Straßentypen eine Reduktion der Durchschnittsgeschwindigkeit um 10 km/h sowie eine Reduktion der Getöteten um 31 Prozent erreicht werden. „Die stärkere Kontrolle mithilfe von Radarboxen hat einen langfristigen Effekt auf das Fahrverhalten der Verkehrsteilnehmer. Und in Kombination mit höheren Strafen und Bewusstseinskampagnen kann überhöhter Geschwindigkeit als Todesursache Nummer 1 im Straßenverkehr erfolgreich entgegengewirkt werden“, betont Thann.
Alkohol tötet
Bei zumindest 20 Prozent aller im europäischen Straßenverkehr Getöteten spielt Alkohol am Steuer eine Rolle. Besonders eindrucksvolle Rückgänge konnten seit dem Jahr 2000 in Tschechien, Belgien und Frankreich verzeichnet werden. Eine Zunahme an tödlichen Alkoholunfällen gab es hingegen in Italien und Rumänien mit durchschnittlich zehn Prozent pro Jahr. Österreich liegt mit einem Rückgang von durchschnittlich fünf Prozent pro Jahr im Mittelfeld. „Die kontinuierlich rückläufigen Unfallzahlen bei tödlichen Alkoholunfällen in Österreich zeigen, dass die gesetzten Maßnahmen wirken. Mit der Kombination aus Strafverschärfung, höherer Überwachungsdichte dank der Alkoholvortestgeräte und bewusstseinsbildender Maßnahmen wie etwa Verkehrscoaching und Nachschulungen sind wir auf dem richtigen Weg. Gerade jetzt dürfen wir aber nicht die Hände in den Schoß legen, sondern müssen in diese Richtung weiterarbeiten“, erklärt Thann.
Herausforderung Nummer 3: Gurtanlegequote
Schätzungen zufolge hat der angelegte Sicherheitsgurt in den vergangenen 50 Jahren rund einer Million Menschen in Europa das Leben gerettet. Die höchsten Tragequoten weisen Autofahrer in Frankreich, Deutschland, Schweden und Großbritannien auf: Der Anteil der Pkw-Lenker, die sich mit einem Gurt schützen, beträgt in diesen Ländern 95 Prozent oder mehr. In Österreich schnallen sich nur rund 90 Prozent der Autolenker an. Wahre Anschnallmuffel sind aber Ungarn, Slowaken, Griechen und Italiener: Hier liegt die Gurtanlegequote unter 80 Prozent, d.h. jeder fünfte Autolenker (und mehr) ist nicht angegurtet. „In Österreich konnten wir in den vergangenen Jahren einen deutlichen Anstieg bei der Gurtanlegequote erreichen. Allerdings ist immer noch mehr als jeder zehnte Pkw-Lenker ohne schützenden Gurt unterwegs und setzt sich so einem unnötigen und hohen Verletzungsrisiko aus“, betont Thann.
Quelle: Kuratorium für Verkehrssicherheit