Kardanantrieb

21.06.2008 | Beitrag von Redaktion   

Der Kardan oder Kardanantrieb ist eine Baugruppe im Antriebsstrang von Kraftfahrzeugen. Er überbrückt den Abstand zwischen Getriebe und Antriebsachse mit der Kardanwelle (mit einem oder meist zwei Kardangelenken) und überträgt so das Drehmoment zur Fortbewegung.

Der Name leitet sich ab von dem Mathematiker und Arzt Gerolamo Cardano, der die in zwei Ebenen um 90 Grad gekreuzte Aufhängung für astronomische Instrumente und den Kompass erstmals beschrieben hatte (Kardanische Aufhängung).

Die Kardanwelle ist die gängige Verbindung zur Übertragung der Antriebs-Momente vom Getriebe zum Achs-Antrieb bei allen vier- und mehrrädrigen Kraftfahrzeugen, die den Motor vorn und die Antriebsachse(n) hinten haben.

Wegen der Beweglichkeiten (Heben und Senken der Antriebsachse) befinden sich beiderseits der Kardanwelle in der Regel Gelenke, die Kardangelenke. Weiter muss in aller Regel wegen der möglichen Abstands-Änderungen ein Längenausgleich möglich sein: realisiert mit einem Schiebestück mit innerer und äußerer Verzahnung, Schmierung und Abdichtung.

Wie bei PKWs mit längsliegendem Motor ist auch bei Motorrädern mit längsliegendem Motor (bzw. längsliegender Kurbelwelle) der Kardan die “logische” Weiterleitung des Drehmomentes; erst am Hinterrad findet mittels eines Kegeltriebs die Umlenkung der Drehachse von längs auf quer statt.

Motorräder mit querliegender Kurbelwelle benötigen hingegen für einen Kardanantrieb zwei Kegelradsätze: neben dem einen am Hinterrad noch einen weiteren vorn am Getriebeausgang. Beispiel hierfür sind Modelle von Yamaha (XS750/XS850, XJ 650/ XJ750/XJ900, V-max) und Kawasaki (K 1000 ST). Der Kardanantrieb der Yamaha XS 750 wurde übrigens wegen mangelnder Erfahrung der Japaner in den späten 70er Jahren von Porsche in Weissach entwickelt!

Bei einigen Motorrad-Herstellern gehört der Kardanantrieb (anstelle einer verschleißenden und wartungsbedürftigen Kette) zur Modellpolitik und zum “guten Ton”; Beispiele hierfür sind BMW und Moto Guzzi. Einige Tourenmodelle japanischer Hersteller verfügen in gleicher Logik ebenso über einen Kardan-Antrieb, Beispiele sind die Honda Gold Wing und CX 500.

Oft wird über den Punkt Wartungserleichterung versus Leistung diskutiert: Klar ist, dass eine neue Antriebskette (anstelle eines Kardans) einen höheren Wirkungsgrad hat als ein Kardan mit Kegelradsatz. Verschleißt jedoch eine Kette, so steigt ihr Leistungsbedarf über das Maß des Kardan-Verlustes hinaus an, insbesondere bei mangelnder Pflege und Schmierung. Das leistungstechnische Optimum ist eine Kette im Fett- oder Ölbadkasten, aber sie ist immer noch ein Verschleißteil und daher bei Tourenmotorrädern weniger beliebt als der Kardan.

Bei einem Motorrad mit Kardanantrieb können bei Kurvenfahrt zusätzliche Kräfte auftreten, die die Fahrphysik schwieriger beherrschbar machen.




Einen Kommentar hinterlassen