Sardinien

08.03.2007 | Beitrag von Redaktion   

Die Region Sardinien hat eine Fläche von 24.090 km² und 1,65 Millionen Einwohner. Die Phönizier nannten es „Sharden“, die Euboier „Ichnoussa“ und die Griechen „Sandalyon“, da seine Form an einen Fußabdruck erinnert.

Sardinien (sardisch Sardigna, Sardinna oder Sardinnia, italienisch Sardegna, katalanisch Sardenya), ist – nach Sizilien – die zweitgrößte Insel im Mittelmeer und bildet mit einigen ihr vorgelagerten Inseln die gleichnamige autonome Region Italiens. Ihre Hauptstadt ist Cagliari.

Klima

Das Klima ist im Wesentlichen mediterran, mit warmem Frühling und Herbst, heißem Sommer und mildem Winter. Die Insel leidet im Sommer unter Wasserarmut (500–600 mm/Jahr) und wird vor allem im Winter von Winden nicht verschont. Die Insel gilt als Naturreservat, in dem Tausende seltener Tiere und Pflanzen unter Schutz gestellt sind. Es gibt Gold- und Silbervorkommen.

Geschichte

Paläolithikum

Der Wasserspiegel des Mittelmeeres schwankte seit dem Miozän stark, so dass die Insellage Sardiniens temporär aufgehoben war und Einflüsse des Festlandes bemerkbar sind. Kennzeichnend für Inselfaunen sind Artenarmut und das Fehlen großer Karnivoren. Das bewirkt bei den Großsäugern eine vergleichsweise rasche Entwicklung zur langsamen Fortbewegung und zur Verzwergung. Inselfaunen erfahren kaum Veränderung, solange das Gleichgewicht nicht gestört wird. Auf Sardinien wurde die ältere Tierwelt im mittleren Pleistozän (vor ca. 900000 Jahren) durch eine neue ersetzt. Aber auch die jüngere zeigt die inseltypische Artenarmut. An Säugern finden sich lediglich

  • Megaceros cazioti (ein Hirsch),
  • Cynotherium sardus (ein kleiner Hund),
  • einige Kleinnager.
  • Prolagus sardus

Dieser ausgestorbene kaninchengroße Nager, sah wie eine schwanzlose Ratte aus. Aus einem Bericht aus dem Jahre 1774 geht hervor, dass er auf der Insel Tavolara offenbar bis ins I8. Jahrhundert überlebte. Der einzige Großsäuger hatte jedoch im Gegensatz zu den verzwergten Hirschen, Elefanten und Flußpferden auf Kreta und Zypern eine normale Größe. Um dies zu untersuchen begann 1982 die Grabung in der Grotta Corbeddu bei Oliena. Die Ausgrabungen ergaben drei Ablagerungsschichten

  • Unterste Schicht: Knochen des aus gestorbenen Hirsches Megaceros cazioti (C14-Datum: 11610 ± 140 v. Chr.), darunter ein gut erhaltener Kopf samt Geweih. Den Hirschen fehlten die Unterkiefer, die an anderer Stelle lagen. Auf die Anwesenheit von Menschen, die in Vertretung der Raubsäuger die Jagd betrieben und einer insularen Verzwergung entgegen standen, deuten Bearbeitungsspuren an den Knochen
  • Schicht 2: Holzkohle (Radiokarbondatum: 7130 ± 380 v. Chr.), Knochen von Prolagus sardus mit Brand- und Kauspuren, die auf menschliche Einwirkung deuten.
  • Obere Schicht: Asche und Holzkohle von Feuerstellen (Radiokarbondarum: 4280 ± 180 v. Chr.) vermischt mit den Resten von Meeres- und Landschnecken, Krustentieren, Fischen, Haustieren, Wild und Prolagus sardus, fernem Steinwerkzeug aus Obsidian und jungsteinzeitliche Tonscherben (Bonu Ighinu-Keramik und Cardium-Keramik)

Die Besiedlung Sardiniens reicht also bis ins Paläolithikum zurück. 1979 wurden 150.000 Jahre alte menschliche Überreste gefunden.

Neolithikum

Die prähistorischen Sarden tauschten Obsidian, ein Lavagestein, das am erloschenen Vulkan Monte Arci gewonnen und für die Produktion einfacher Werkzeuge benutzt wurde. Dieser Obsidian gelangte nach Korsika, in die Toskana, die Emilia, nach Ligurien und Südfrankreich.

Vom Neolithikum, das auf Sardinien um 6000 v. Chr. mit der Einwanderung von Angehörigen der Cardial- oder Impressokultur einsetzt, bis zur punischen Eroberung von Teilen der Insel im 6. Jh. v. Chr. und der römischen Besetzung 238 v. Chr. prägten u. a. die Kulturen von Su-Carroppu, Filiestru, Bonu Ighinu, Ozieri, die Kulturen von Abealzu-Filigosa, Monte Claro und die Bonnanaro-Kultur sowie besonders die Nuraghenkultur das Bild der Insel. Die neolithische Periode bringt Landwirtschaft und Viehhaltung auf die Insel. Belege sind Mörser und Handmühlen, Getreidekörner und Knochenreste von Haus- und Wildtieren. Darunter ist der ausgestorbene endemische Prolagus sardus, ein Nager aus der Familie der Pfeifhasen, der bis in die Eisenzeit, auf der Insel Tavolara sogar bis ins 18. Jahrhundert überlebte. Kult- und Grabhöhlen, wie die Backofengräber des Sinis (Cuccuru S’Arriu), und die Domus de Janas (Häuser der Feen) wurden in Felsformationen gekratzt. Um 2000 v. Chr. erfolgte die erste Zuwanderung von Fremden.

Die Glockenbecherleute verändern die Architektur auf der Insel. Ab etwa 1500 v. Chr. herrschten die Nuragher. Heute existieren noch über 3.000 von einst etwa 7 – 10.000 turmartigen Nuraghen, nach denen die Kultur benannt ist. Hinzu kommen Dolmen und Galerien wie Corte Noa, Gigantengräber, Menhire, Statuenmenhire und heilige Brunnen von denen es etwa drei Dutzend gibt. Unikate sind die Steinkisten von Li Muri, der Nuraghentempel von Malchittu und das megalithische Rundgrab “Masone Perdu” bei Laconi. Manche vermuten, dass sich das geheimnisvolle Volk der Schardana aus dem östlichen Mittelmeer im 20. Jahrhundert v. Chr. hier angesiedelt hat.

Über die Leute (deren Name das Meeresvolk bedeuten soll), ist wenig bekannt, ihre Spur wurde nur in ägyptischen Beschreibungen gefunden. Hypothesen entstanden nach linguistischen Studien, wonach die Stadt Sardis (Lydien) ihr Ausgangspunkt sei, von der sie das Tyrrhenische Meer erreicht hätten; danach hätten sie sich aufgeteilt in Sarden und Etrusker. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass eine sehr lange ungestörte einheimische Entwicklung über die Bonnanaro-Kultur mit ihren Protonuraghen zur Nuraghenkultur führte.

Punier, Römer, Byzantiner und Araber

Bis zum Ersten Punischen Krieg waren die punischen Bewohner Karthagos nominell die Herren der Insel, obwohl sie nie ins Landesinnere vorstießen, das noch weit bis in die römische Zeit (ab dem 3. Jh. v. Chr.) weitgehend autonom war. Nach der römischen, erfolgte die 80-jährigen Besetzung durch die Wandalen ab 455 n. Chr. Die byzantinische Besetzung begann 534 n. Chr. als Belisar die Inseln im westlichen Mittelmeer eroberte. Die Insel verarmte matriell und kulturell. Trotzdem nahm die sardische Folklore byzantinische Einflüsse auf, wie die S´ardia ein Reiterfest zu Ehren Kaiser Konstantins, in Sedilo. Kurz erschienen die Ostgoten auf der Insel, die unter Totila Cagliari eroberten.

Die Langobarden versuchten die Insel ab 568 mehrmals zu erobern. Mit der Eroberung von Sulcis im Jahre 704 brach eine mehr als 200-jährige Phase an, in der die Araber die Insel überfielen. Die Insel wurde vom 9. Jh. bis 12. Jh. in vier Giudicati (Judikate) geteilt, die während der byzantinischen Herrschaft de facto unabhängig waren. Die byzantinische Herrschaft endete in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts mit der Sezession des byzantinischen Statthalters. Sardinien wurde ab 753 im Südteil, ab 827 bzw. 860 mehr oder weniger völlig von arabischen Muslimen beherrscht (es sind die “dunklen Jahre” ohne Überlieferung), die um 1020 von den Armeen der Stadtstaaten Genua und Pisa verdrängt wurden.

Pisaner, Schwaben und Spanier

Der Staufer und König von Sizilien, Friedrich II. (1198–1250), ernannte 1239 seinen illegitimen Sohn Enzio zum „König von Sardinien“ (1239–1249, † 1272), woher der Status der Insel als Königreich herrührt, der bis zum Aufgehen im Königreich Italien 1861 erhalten blieb. Sardinien fiel später, ebenso wie Sizilien, zunächst dem Königreich von Aragon (1323–1409) zu, das den sardinischen Reichsstatus erneuerte, und gehörte seit dem frühen 16. Jahrhundert in Personalunion zum Königreich Spanien: das Judikat von Arborea zerfiel zuletzt. Die autochthone Bevölkerung der Stadt Alghero (sardisch S’Alighera, katalanisch L’Alguer) wurde vertrieben bzw. durch katalanische Eindringlinge dezimiert; ihre Nachkommen sprechen bis heute Katalanisch.

Österreicher, Piemontesen und Italiener

Nach dem Aussterben der spanischen Habsburger fiel Sardinien nach dem Spanischen Erbfolgekrieg 1714 an die österreichische Linie des Hauses Habsburg, wurde jedoch schon 1720 von Österreich – im Tausch gegen Sizilien – an das Herrscherhaus von Savoyen-Piemont abgetreten, das 1714 mit dem Besitz von Sizilien einen Königstitel erworben hatte und denselben nunmehr auf den Besitz Sardiniens gründete. Das neu entstandene Königreich Sardinien-Piemont mit seiner Hauptstadt Turin und seinen Provinzen Savoyen und Piemont hatte seinen geographischen Schwerpunkt jedoch auf dem italienischen Festland.

Lediglich während der französischen Okkupation des norditalienischen Reichsteils zwischen 1799/1800 und 1814 regierten die sardinischen Könige Karl Emanuel IV. (1796-1802) und sein Bruder Viktor Emanuel I. (1802-1821) – ähnlich wie wenig später der aus Neapel vertriebene bourbonische König von Sizilien, Ferdinand IV. – unter dem Schutz der britischen Flotte direkt von ihrer Insel Sardinien aus, die ansonsten eher vernachlässigt wurde. Im Zuge der italienischen Einigung wurde der sardische Herrscher Viktor Emanuel II. (1849-1878) im Jahre 1861 König von Italien.

Autonomie

Im Zuge dieser Einigung und der erneuten Rückverlagerung des Schwerpunkts der Macht in Italien nach Turin, Florenz bzw. Rom wurde Sardinien endgültig an den provinziellen Rand gedrängt. Erst 1946 erhielt die Insel Autonomie, doch bis 1982 gab es vereinzelte, z.T. bewaffnete Rebellionen, die häufig auch mit Entführungen verbunden waren.

Wirtschaft

Die sardische Währung (als Teil Italiens) ist jetzt der Euro, aber die Sarden beziehen sich noch inoffiziell auf su Francu (oder lokal su Pidzu) (1 francu = 1.000 ehemalige italienische Lire). Im Vergleich mit dem BIP der EU, ausgedrückt in Kaufkraftstandards, erreicht Sardinien einen Index von 83.4 (EU-25:100) (2003).

Die sardische Wirtschaft legt ihren Schwerpunkt auf den Tourismus sowie auf Industrie, Handel, Dienstleistungen und Informationstechnik. Bedeutung haben auch die berühmten Weine (Cannonau) und Schafkäse (Pecorino sardo) und die Gastronomie. Im Norden der Insel spielt traditionell die Korkproduktion eine wichtige Rolle. Bekannt ist auch der Mirto, ein Likör, hergestellt aus der überall auf der Insel wachsenden Myrte. Das sardische Hirtenbrot Pane Guttiau wird aus Weizenmehl, Hefe und Olivenöl hergestellt. Die dünnen Fladen werden zweifach gebacken und sind lange haltbar.

In Salto di Quirra gibt es einen Startplatz für militärische Raketen und Raketen zur Erforschung der Hochatmosphäre. Decimomannu beheimatet einen NATO-Flugplatz. Es gibt mehrere Regionalbahnstrecken und eine touristisch sehr attraktive Schmalspurbahn. Sardinien hat drei internationale Flughäfen in Cagliari, Alghero und Olbia.

Weitere Informationen

www.regione.sardegna.it »
www.sardegna.net »




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