
Wem ist es nicht schon mal passiert, dass er seine Maschine zum Überwintern einfach in die Garage gestellt und sie dort bis zum Frühjahr „vergessen” hat? War es ein Mangel an Gelegenheit oder schlicht Faulheit – das Erwachen ist meist weniger schön und der Vorsatz schnell gefasst, es im nächsten Herbst besser zu machen.
TEXT: Martin Distler; FOTOS: Marion Dörner

Die Welt ist schlecht. Als ich im Frühjahr meine 1100 GS aus der Garage schiebe und anlassen will jault sie nur kurz auf und lässt noch ein paar Mal lustlos das Anlasser-Relais klackern. Das weitere Prozedere ist klar: Batterie laden und, wenn es dann noch immer nicht geht, zähneknirschend eine neue kaufen. So geschah es dann auch. Mani, mit dem ich an diesem Tag fahren will, hat mit seiner alten Guzzi keine Probleme – trotz Laternenparkplatz… Als ich ihn frage, wie er seine Maschine auf den Winter vorbereitet hat, entgegnet er lakonisch, er habe den Benzinhahn zugedreht. Mehr nicht? Mehr nicht! Die Welt ist schlecht.
Alle, denen es wie mir geht, müssen aber eigentlich nur ein paar Schritte beachten, bevor ihr Baby in den Dornröschenschlaf versinken darf. Neben der Werterhaltung des Motorrads freut man sich spätestens, wenn man im neuen Jahr am ersten schönen Bikertag gleich loslegen kann und keine mühevollen Wiederbelebungsmaßnahmen starten muss.
Motorradpflege
Die Maschine muss gründlich gesäubert werden. Dabei greifen immer mehr Biker zum Dampfstrahler, doch tut es oft auch eine solide Wäsche mit weniger druckvollen Mitteln. Auch die Kettenräder und die Kette selbst müssen sauber werden und sollten anschließend mit einem Pflegespray behandelt werden. Nach der Wäsche sollten alle Funktionen überprüft und anstehende Reparaturen nicht auf die lange Bank geschoben werden. Wenn im Frühjahr die Saison beginnt, sind die Werkstätten meist ausgelastet, während man im Spätjahr leichter und schneller Termine bekommt.

Wer ein Flüssigkeitsgekühltes Zweirad sein Eigen nennt, sollte die Kühlflüssigkeit erneuern und den Frostschutz nicht vergessen. Der Reifendruck sollte n 0,5 bar über die Herstellerempfehlung hinaus erhöht werden, um einem Frühjahrs-Plattfuß vorzubeugen. Getriebe-Ölstand prüfen und Kardan und Gabel kontrollieren. Kolben und Zylininder mit Konservierungssprays vor Feuchigkeit schützen.
Bewegliche Teile wie Gelenke, Hebel und Antriebskette freuen sich ebenfalls über etwas Öl und Fett. Kunststoff- und Chromteile lassen sich mit Sprays oder Schutzwachs konservieren. Auch die Auspuffpflege ist mit ein paar Tropfen Öl, die mit einem Lappen ‘getragen werden, getan. Abschließendes Randvolltanken schützt den Tank Korrosion. Bei Vergasermotoren ließt man anschließend den Benzinhahn und lässt den Motor laufen, bis die
Schwimmerkammern entleert sind.
Als nächstes kümmert man sich um das Motorenöl. Ein Ölwechsel ist zwingend. Altes Öl ablassen, den Filter wechseln und frisches Öl einfüllen. Dass man Altöl umweltgerecht entsorgt ist eine Selbstverständlichkeit. Nach dem Ölwechsel sollte der Motor nicht mehr gestartet werden – er schläft schon…
Vor allem die Batterie bedarf der Winterschlaf-Vorbereitung. Wer draußen parken muss, Mani ausgenommen, sollte sie auf jeden Fall ausbauen. Achtung: immer zuerst den Minuspol lösen. Bei Garagenparkern, mich ausgenommen, kann die Batterie im Motorrad bleiben. Die Anschlüsse beider Pole sollten aber trotzdem von der Batterie gelöst werden. Die Batteriepole sollten gereinigt werden, aber Vorsicht, Kurzschlussgefahr!
Bei Nassbatterien muss der Säurestand geprüft und gegebenenfalls mit destilliertem Wasser nachgefüllt werden. Batterie an einem kühlen, frostfreien und dunklen Ort lagern. Mehr über den korrekten Umgang mit Batterien lesen Sie auf den folgenden Seiten.
Bei der Standortwahl für den Winterschlaf auf gute Durchlüftung und Trockenheit achten. Die Reifen sollten keinen Bodenkontakt haben – Hauptständer-Besitzer sind im Vorteil. Andernfalls tun’s auch ein paar Holzklötze als Unterbau oder ein Montageständer. Wer keinen Indoor-Stellplatz hat, kann sich beim Motorradhändler schlau machen – oft bieten diese Abstellplätze an. Wenn es aber partout die Laternenstellung sein soll, muss das Motorrad auf jeden Fall mit einer dichten, atmungsaktiven Pelerine geschützt werden. Wegen des dennoch immer wieder auftretenden Kondenswassers, sollte sie an trockenen Tagen abgenommen werden, damit die Maschine mal wieder „durchschnaufen” kann.
Bekleidungspflege
Auch die Kleidung sollte vor dem Winter gepflegt und wenn nötig gewartet werden. Im Frühjahr in eine dreckige, starre Ledermontur zu schlüpfen, ist ein meist weniger geschmeidiges Unterfangen. Wobei Leder ohnehin der regelmäßigen Pflege bedarf. Nach einer gründlichen Reinigung mit speziellem Lederreinigungsmittel gründlich einfetten, danach polieren. Besonderes Augenmerk auf die Nähte richten, denn wer hier mit Sorgfalt bei der Sache ist, beugt der Wasserdurchlässigkeit vor. Falls es etwas zu flicken gibt, am besten ab damit zum Schneider, der übrigens oft auch eine professionelle Reinigung und das Imprägnieren übernimmt, eine Frage des Preises… Stiefel und Handschuhe kann man selbst putzen und einfetten.
Die Träger von Textilbekleidung interessiert das alles weniger. Sie stecken Ihre Klamotten einfach in die Waschmaschine. Dabei tun sie gut daran, die Herstellerangaben (kein Weichspüler, nicht Schleudern) zu beachten und die Protektoren zu entfernen. Wenn die feinen Stoffe vollständig trocken sind, werden sie mit Imprägnierspray behandelt. Damit ist sichergestellt, dass sie auch im neuen Jahr Wind und Wetter trotzen.
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